Adressen von Knackis

In den folgenden Tagen stellen wir eine aktuelle Liste von Knackis. Diese werden wir dann auch regelmäßig aktualisieren. Wenn ihr selber Adressen von Gefangenen habt, bitte schickt sie uns.

Salud!

Spanischer Staat:

– Lisa Dorfer

Unsere Gefährtin Lisa wurde am 7. Juni 2017 zu 7 ½ Jahren Knast verurteilt. Sie hätte an Banküberfällen in Aachen in der Jahren 2013-2015 teilgenommen. Einer der Hauptbeweise gegen Lisa ist, dass sie Anarchistin ist.

Sie wurde am 21. Dezember 2018 auf eigenen Wunsch nach Spanien verlegt.

Ein Brief von Lisa aus dem Gefängnis:

“Liebe Gefährt*innen,                                                                   

ich will mich erneut für eure ganze Unterstützung und Solidarität zutiefst bedanken, die ihr von Anfang an und ganz besonders während diesem Prozess gezeigt habt – sowohl vor Ort im Gerichtssaal, als auch aus der Ferne auf alle möglichen Arten und weisen.

Sie haben mir in so vielen Momenten kraft und Wärme geschenkt und natürlich meine klare Überzeugung bestärkt, dass der Kampf selbstverständlich immer weiter gehen wird, egal unter welchen Bedingungen und was auch immer uns noch bevorstehen sollte.

Gerade weil ich natürlich weiß, wie die Justiz und der Verfolgungswahn des Staates funktioniert und auch in diesem Schauprozess das Gericht, die Staatsanwaltschaft, die Bullen und die Presse eine/n Schuldige/n brauchten, bleibt mir eine riesen Wut. eine Wut auf eine miserable und total ungleiche Welt, in der uns das Recht der herrschenden aufgezwungen wird, eine Wut auf ein System der Bestrafung, der Unterdrückung und des Wegzerrens derer die nicht in dieses System passen, eine Wut über all die Manipulation, die Farce und die lügen mit der die öffentliche Meinung geschürt wird… und natürlich über noch vieles mehr.

Dieses Mal hat es mich getroffen, aber in anderen Momenten trifft es andere und möglicherweise jede/n von uns, vor allem dann wenn wir mit Würde und Kraft unseren Weg gehen und uns vom Staat und seinen Schergen niemals brechen lassen.

Der Knast ist niemals das Ende; diese verschärften Bedingungen fordern uns noch stärker heraus das Leben und die werte, für die wir stehen, immer weiter zu verteidigen.

Der Kampf geht weiter – sowohl von hier drinnen als auch von draußen – solange nicht alle Knäste niedergestürzt sind und jede Form von Herrschaft und Autorität zerschlagen ist.

Viel Kraft und Solidarität an alle Gefangenen und verfolgten Gefährt*innen überall! Freiheit für alle.”

Lisa Dorfer
C.P Brians I
Carretera de Martorell a Capellades, km 23
08635, Sant Esteve Sesrovires
Spanien

– Rodrigo Lanza

Rodrigo Lanza wurde 2006 verhaftet, da er beschuldigt wurde, im Rahmen der Räumung eines besetzten Hauses in Barcelona nach einer Party einen Cop angegriffen zu haben. Während der folgenden Riots warf jemand einen Topf aus den oberen Stockwerken des Hauses, wodurch einer der Cops („a bastard of the urban guard“) verletzt wurde, so dass dieser querschnittsgelähmt war.

Die Cops brauchten nun einen Sündenbock und nach einem langen Gerichtsprozess wurde Rodrigo Lanza zu 5 Jahren Haft verurteilt, in denen er von der Polizei gefoltert, geschlagen und misshandelt wurde – aus dem einfachen Grund, dass er Chilene ist. Nach dieser langen Zeit im Knast wurde er letztendlich entlassen.

Am 07. Dezember 2017 war Rodrigo in Zaragoza mit Freunden in einer Bar, in der sie auf einen bekannten Nazi trafen: den 55 Jahre alten Victor Lainez, ein Mitglied der faschistischen Falange Nacional. Lainez griff Rodrigo mit einem Messer an, woraufhin es zu einer Auseinandersetzung vor der Bar kam und den Nazi ein Schlag in den Nacken traf, wodurch er ins Koma fiel. Seine Familie entschied Tage später die Maschinen abzustellen und die Welt von seiner Anwesenheit zu befreien.

Rodrigo wurde schnell verhaftet und beschuldigt, am Tod des Nazis beteiligt zu sein. Rodrigo befindet sich seitdem in Isohaft, das Verfahren gegen ihn läuft. Die Staatsanwaltschaft fordert 25 Jahre Haft.

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Brief von Rodrigo (Januar 2018):

“Und wieder einmal aus den Kerkern des Staates, aus dem Bauch der Bestie.

Und wieder einmal aus den Kerkern des Staates, aus dem Bauch der Bestie. Ich schreibe diese Worte aus dem F.I.E.S. (erster Grad), isoliert aber niemals allein, weil ich weiß, dass unsere Werte viel stärker sind als die Gitter die ich vor mir habe, dass unsere Liebe für Freiheit tausendmal mehr Wert ist als ihr Hass und dass es keine Mauer gibt, die uns von uns selbst trennen kann.

Ich glaube an viele Dinge und zwei davon waren immer, dass antifaschistische Selbstverteidigung der legitimste Kampf ist und dass ein Staat, der Faschismus, Rassismus, Homophobie und vieles mehr fördert, diejenigen rücksichtslos angreift, die sich dagegen wehren. Nach einer rassistischen Beleidigung, dem Angriff durch einen Mann der ein Messer in der Hand hatte und einem tragischen Ende kommt die Maschine ins Rollen, der Staat wird stark und er weiß, dass eine Lüge die Tausendmal erzählt wird, zur Wahrheit wird – zumindest für die Mehrheit, die diese Wahrheit braucht.

Der Angreifer wird zum Angegriffenen, sie erfinden eine lächerliche Entschuldigung für die Aggression, die nicht einmal in den polizeilichen Ermittlungen auftaucht, das Messer verschwindet und sie versuchen, die faschistischen und rassistischen Verbindungen zu vertuschen. Ich werde im TV als Gefahr dargestellt, und sie werden diese Lüge tausendfach erzählen, weil sie es können und weil sie es brauchen. Ich fühle mich schrecklich hilflos, ich bin nur eine Schachfigur in ihrem Spiel, aber ich verzweifle nicht, ich weiß aus Erfahrung, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird, auch wenn die Geschichte von den Mächtigen, den Gewinnern, geschrieben wird…. noch.

Ich weiß, dass wir mehr Lärm machen werden als sie, dass unsere Bindung und Solidarität mehr wert sind, als ihre Medien und ihre Mauern. Ich glaube jetzt mehr denn je an legitime Selbstverteidigung, an Antifaschismus, an meine Brüder und Schwestern in den Strassen, an unseren Kampf, an meine Familie, an meine Prinzipien.

Wegen all dem und mehr fühle ich mich weiterhin glücklich, auch wenn ich jetzt hier bin nach allem was passiert ist, weil ich weiß, dass ich auf euch zählen kann, so wie ihr auf mich zählen könnt.

Aus den Kerkern, isoliert, aber niemals allein.

Rodri”

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Adresse, um Rodri zu schreiben:

Rodrigo Lanza
Apdo. de correos nº 33044
Ronda Universitat, 23
08007 Barcelona

 

Italien:

– Davide Delogu:

Davide wurde 2010 inhaftiert und für Einbruch und versuchten Mord zu 18 Jahren verurteilt. 2010 und 2017 versuchte er aus dem Knast auszubrechen.

Seine Adresse: Davide Delogu – Contrada Piano Ippolito 1 / 96011 Augusta (Italien)

– Nicola Gai und Alfredo Cospito (Adinolfi-Verfahren):

Beide wurden wegen einen Knieschuss gegen den CEO v0n Ansaldo Nucleare (ein italienisches Unternehmen welches AKW´s baut und verwaltet), Roberto Adinolfi, zu 9 Jahren und 4 Monaten, bzw. zu 10 Jahren und 9 Monaten verurteuilt. Während des Verfahrens haben sie sich als die einzigsten Verantwortlichen der FAI-FRI Zelle Olga gemacht.

Nicola hat zusätzlich wegen der Operation „Scripta Manent“ 9 Jahre zusätzlich bekommen und Alfredo 20 Jahre.

Ihre jetzige Adressen: Casa Circondariale di Ferrara Via Arginone, 327 – 44122 Ferrara (Italien)

– Verhaftete vom G8 Gipfel in Genua 2001:

Francesco „Jimmy“ Puglisi F

Er wurde im Jahr 2012 zu 14 Jahren Knast verurteilt. Im Juni 2013 wurde er in Barcelona, wo er seit einem Jahre auf der Flucht sich befand, festgenommen und anschließend vom spanischen Staat ausgeliefert.

Er wurde im Berufungsverfahren zu 14 Jahren Knast, wegen „Zerstörung und Plünderung“, verurteilt. Sowie zusammenhängende Verbrechen, wie die Auseinandersetzungen die während des G8 Gipfels im Sommer voon 2001 in Genova stattfanden. Andere Anarchist*innen wurden auch dafür verurteilt die auf der Flucht sind. Wir wünschen ihnen viel Glück.

Adresse: Casa Circondariale Roma Rebibbia – Nuovo Complesso
Via Raffaele Majetti, 70 – 00156 Roma (Italien)

– Operation „Scripta Manent“

Ermittlungen die am 6. September 2016 von den Digos in Turin realisiert wurden. 21 Anarchist*innen (von denen ab dem Moment der Ermittlung im Knast waren) wurden beschuldigt verschiedene Verbrechen begangen zu haben, wie subversive Vereinigung mit terroristischen Zielen, die in Verbindung mit der Informellen Anarchistischen Föderation standen.

Adressen:

Marco Bisesti: Casa Circondariale – Strada Statale per casale, 50/A – 15121, Alessandria (AL), Italien (5 Jahre Knast)

Alessandro Mercogliano: Casa Circondariale di Ferrara – Via Arginone, 327 – 44122 Ferrara, Italien (5 Jahre Knast)

Anna Beniamino: c.c. Rebibbia Femminile – via Bartolo Longo 92 – 00156, Roma, Italien (17 Jahre Knast)

Alfredo Cospito und Nicola Gai, befinden sich in Ferrara (oben)

– Verhafteter Florenz August 2017

Salvatore Vespertino ist ein anarchistischer Gefährte der in U-Haft seit August 2017 sitzt. Er wird wegen versuchten Mord beschuldigt. Zur Erinnerung, am 1. Januar 2017 deponierte irgendwer eine Bombe vor der faschistischen Buchhandlung „Il Bargello“ von Casa Pound Florenz. Am nächsten Morgen wollte ein Mitglied des Sprengkommandos der Polizei nachschauen was dies sei und wurde von der Explosion getroffen, bei der dieser ein Auge und eine Hand verlor.

Um ihn zu schreiben:

Salvatore Vespertino – c.c. Sollicciano via Minervini 2r 50142 Florencia

– Operazione Scintilla – Italien

Am Donnerstag, den 7. Februar 2019, begann um 4:40 Uhr in der Früh die Räumung des seit 1995 besetzten Squats “Asilo occupato” (“der besetzte Kindergarten”) in der Via Alessandria 12 in Turin.
Die Räumung wurde im Rahmen der “Operazione Scintilla” (“Operation Funke”) durchgeführt. Mehrere hundert Carabinieri in Kampfuniform, Polizist*innen und Zollbeamt*innen mit
Maschinengewehren und Zivis haben dabei nicht nur das Haus geräumt, sondern auch sechs Anarchist*innen verhaftet. Nach einer siebten Person wird noch gefahndet.
Die Anklagen sind schwerwiegend: Bildung einer subversiven Vereinigung, Anstiftung zu Verbrechen sowie der Besitz und die Herstellung und Beförderung von Sprengkörpern an einem öffentlichen Ort. Die Anklagen stehen im Zusammenhang mit dem Widerstand gegen das italienische Migrationsregime, namentlich gegen die Ausschaffungslager/-knäste CPR bzw. CIE (Centro per l’Immigrazione e il Rimpatrio = Immigrations- und Repatriierungszentrum bzw. Centro di identificazione ed espulsione = Identifikations- und Ausschaffungszentrum). Das Asilo wurde im Rahmen dieser Operation geräumt, weil es vom Staat als “logistische und operative Basis” dieser “subversiven, aufständischen Vereinigung” betrachtet wird. Die Räumung des Asilo wurde von den Besetzer*innen 36 Stunden verzögert, weil sich einige auf die Dächer zurück gezogen hatten. Parallel organisierten Sympathisierende wilde Demos in der Stadt,
bei denen es zu Zusammenstössen mit der Polizei gekommen ist. Das Asilo wurde in den letzten Tagen unbewohnbar gemacht (Zerstörungen im Innern, zugemauerte Fenster etc.).
Ein erster Gerichtstermin für die Gefangenen der “Operazione Scintilla” folgt in voraussichtlich 15 Tagen, d.h. ungefähr am 27. Februar.
Es sind viele Verhaftete, gegen einige wurden schwere Anklagen erhoben, es drohen lange Haftstrafen. Es wird viel Geld benötigt – mensch ist sehr dankbar für Solibeiträge an das folgende
Konto:
Giulia Merlini e Pisano Marco
IBAN IT61Y0347501605CC0011856712
ABI 03475 CAB 01605
BIC INGBITD1

Antonio Rizzo
C.C. Ferrera
Via Arginone 327
44122 Ferrara // Italien

Giuseppe De Salvatore
C.C. Ferrera
Via Arginone 327
44122 Ferrara // Italien

Niccolò Blasi
Casa Circondariale di Cuneo
via Roncata 75
12100 Cuneo // Italien

Silvia Ruggeri
C. C. de L’Aquila
via Amiternina 3
Località Costarelle di Preturo
67100 L’Aquila
Italien

– Operation Renata – Italien

In der Nacht und am Morgen des Dienstags, 19. Februar 2019, wurden sieben Anarchist*innen an verschiedenen Orten im Trentino verhaftet: Agnese, Giulio, Nico, Poza, Rupert, Sasha, Stecco. Eine Person wurde unter Hausarrest gestellt, während alle anderen in verschiedenen Gefängnissen eingesperrt wurden.
Die Hauptvorwürfe sind “subversive Assoziation zum Zwecke des Terrorismus und der Untergrabung der demokratischen Ordnung” (Artikel 270bis des Strafgesetzbuches) und
“terroristischer Angriff” (Artikel 280 des Strafgesetzbuches) unter Bezugnahme auf einige direkte Aktionen, die in den letzten Jahren im Trentino stattfanden. Andere Straftaten, denen sie
beschuldigt werden, sind: “Unterbrechung des öffentlichen Dienstes”, “Beschädigung”, “Sabotage von Telematik-Geräten”, “Feuer” und “Transport von explosivem Material”. Zur gleichen Zeit wurden 50 Hausdurchsuchungen durchgeführt, wobei etwa 150 Polizisten und Carabinieri für die repressive Operation mobilisiert wurden (die den Namen “Operation Renata”
erhielt, anscheinend ein Name, der von dem Spitznamen eines von einigen Gefährt*innen benutzten Autos abgeleitet ist).
Die Untersuchungen wurden von Digos (Staatspolizei) und ROS (Carabinieri) durchgeführt. Am selben Tag der Verhaftungen fand in Rom eine Pressekonferenz statt, die von der Anti-
Terrorbehörde organisiert wurde.

Adressen:
Giulio Berdusco
Casa Circondariale di Udine
Via Paluzza 77
33028 Tolmezzo (UD) // Italien

Roberto Bottamedi
Casa Circondariale di Udine
via Paluzza 77
33028 Tolmezzo (Ud) // Italien

Nicola Briganti
C. C. di Ferrara
via Arginone 327
44122 Ferrara // Italien

Luca Dolce
Casa Circondariale di Udine
Via Paluzza 77
33028 Tolmezzo (UD) // Italien

Andrea Parolari
C. C. di Ferrara
via Arginone 327
44122 Ferrara // Italien

Agnese Trentin
C. C. de L’Aquila
via Amiternina 3
Località Costarelle di Preturo
67100 L’Aquila // Italien

Bulgarien:

– Jock Palfreeman

Jock ist ein Antifaschist aus Australien, der mit 23 Jahren auf einer Reise durch Bulgarien, bei einem Angriff von 16 Nazis gegen zwei Romani-Kinder dazwischen ging. Er erstoch einen Nazi und verletzte einen anderen. Dafür wurde Jock zu 20 Jahren Knast verurteilt.

Um ihn zu schreiben:

Jock Palfreeman
Sofia central prison,

21 General Stoletov Boulevard
Sofia 1309,Bulgaria

Schweiz:

– Gefährte aus der anarchistischen Bibliothek Fermento

Am Dienstag dem 29. Januar, kurz nach Mittag, wurde ein Gefährte von uns in seiner Wohnung verhaftet. Die Türe wurde von einem forensischen Team aufgebohrt.

Die Verdächtigungen, welche seine Verhaftung sowie die Durchsuchung der Wohnung in der er lebt, ebenso wie – wiedereinmal – des Fermento anscheinend gerechtfertigt haben sollen, sind folgende:

  • Brandanschlag auf mehrere Fahrzeuge der schweizer Armee an der Überlandstrasse 17 in Hinwil am 27. September 2015
  • Brandanschlag auf die Funkstation Waidberg der Stadtpolizei Zürich am 10. Juli 2016
  • Plakate und einen Zettel im Schaufenster in der anarchistischen Bibliothek Fermento (im letzten Lokal an der Josefstrasse) aufgehängt zu haben (die Polizei glaubt dafür sogar ein Datum zu wissen, der 16. November 2017), in denen dazu aufgerufen werde, „Sachbeschädigungen und Gewalt gegen Firmen und Personen zu verüben, die am Ausbau des Gefängnisses Bässlergut in Basel und am Bau des PJZ in Zürich beteiligt sind.”

Unser Gefährte, der Teil der anarchistischen Bibliothek ist, wurde im Zusammenhang mit den Plakaten im Schaufenster der Bibliothek 2017 schon einmal belästigt, wurde damals von zuhause abgeholt und musste eine sogenannte ED-Behandlung (DNA, Fingerabdrücke, etc.), sowie ein Verhör über sich ergehen lassen.

Nun wurde unser Gefährte am Dienstag erneut verhaftet, und allem Anschein nach in seiner Wohnung genötigt, die Polizisten zum Fermento zu geleiten, ihnen aufzuschliessen oder den Schlüssel zu geben und… zack zack, schon waren wieder zwei unserer Computer, einer davon nigelnagelneu, der andere mit einem umfassenden digitalen Archiv inklusive Volltextrecherche darauf, beschlagnahmt.

Bisher haben wir in der Bibliothek keine polizeiliche Begründung, keinen Durchsuchungsbeschluss oder ähnliches erhalten. Wir gehen allerdings davon aus, dass unser Gefährte der Polizei die Türen nicht freiwillig geöffnet oder ihnen sogar die Computer geschenkt hat.

Der Gefährte wurde danach ins – angeblich immer noch – provisorische Polizeigefängnis Zürichs PROPOG gebracht, wo er heute noch sitzt. Er wird allerdings am Freitag (1. Februar) den Haftrichter sehen, welcher über Untersuchungshaft entscheidet.

Wir protestieren gegen diese Festnahme eines unserer Kameraden, unabhängig davon ob die Vorwürfe stimmen oder nicht. Der Antimilitarismus und die Sabotage waren schon immer ein Teil des Anarchismus. In unserer Bibliothek lassen sich dazu vielfältige Schriften finden.

Wir rufen insbesondere Bibliotheken, Archive und Infoläden dazu auf, über diesen Angriff auf das Fermento und auf unseren Bibliothekaren zu berichten.

Schreiben könnt ihr den Gefährten über das Fermento:

Anarchistische Bibliothek Fermento
Zweierstrasse 42
8005 Zürich
Schweiz

Deutschland

– Loïc Schneider (G20)

Am 18. August wurde unser Freund und Gefährte, Gärtner und Poet, Bruder und Mitstreiter Loic von Sondereinheiten der Bullen in Nancy festgenommen. Diese setzten einen Europäischen Haftbefehl gegen ihn durch, der Aufgrund seiner vermeintlichen Beteiligung an den Hamburger Riots während dem G20-Gipfel verhängt wurde. Nach drei Monaten im Untergrund beendeten die Repressionsbehörden die Freiheit unseres Freundes beim Versuch seine Angehörigen in seinem Heimatort anzutreffen. Loic sitzt seither im Knast in Nancy-Maxéville. Ihm droht eine Auslieferung aufgrund „schwerer Straftaten“ während der Proteste gegen die mächtigsten VerbrecherInnen, DespotInnen, Wahlfälscher*innen und Kriegstreiber*innen dieser Welt.

Am Dienstag den 25. September soll Loic nun im Pariser Justizpalast (Pole 4 Saal CH 10) ein Berufungsverfahren wegen Hacker-Angriffen bekommen. Vor einigen Jahren soll der junge Aktivist an Angriffen auf Infrastrukturen gegen unnütze Großbauprojekte beteiligt gewesen sein.
Seit einigen Tagen schläft unser Freund und Genosse Loïc hinter deutschen Gittern. Frankreich hat, so wie wir es befürchtet haben, keine Zeit verloren, um dem Auslieferungsbegehren ihres Nachbarlandes nachzukommen. Am 26. September wies das Kassationsgericht seine Berufung zurück und bestätigte damit den Europäischen Haftbefehl, auf dessen Grundlage Loïc am 18. August in Nancy gewaltsam verhaftet wurde. Insbesondere ist das Gericht der Ansicht, dass er “nicht wegen seiner politischen Ansichten verfolgt wird”. Einige Tage später wurde unser Freund aus dem Gefängnis von Maxéville geholt und als erster ausländischer Beschuldigter der Hamburger-G20-Proteste von den Behörden seines Landes an Deutschland ausgeliefert.

Die Staatsgewalt brachte ihn an diesem Wochenende nach Hamburg. Loïc befindet sich nun auf unbestimmte Zeit 750 km von Zuhause und von seinen Angehörigen entfernt in Untersuchungshaft, in einem Land, dessen Sprache er nicht spricht. Die deutschen Ermittler könnten durchaus nach Frankreich kommen um ihn in Lothringen zu befragen. Zumal sie den Weg offensichtlich kennen, in Anbetracht dessen, dass wir sie in den letzten Monaten regelmäßig dort antreffen. Auch wenn uns die deutsch-französische Polizeizusammenarbeit nicht mehr überrascht, sehen wir, dass sie jedes Mal etwas flüssiger zu werden scheint. Gemeinsame Interessen, gemeinsame Methoden? Frankreich, das seinen G7-Gipfel im nächsten Sommer (Ende August in Biarritz) vorbereitet, scheint sehr engagiert zu sein, um den deutschen Behörden zu helfen, diejenigen in ganz Europa aufzuspüren, die im Juli 2017 ihre  Kapitalismus-Messe sabotiert haben sollen.

Derweil werden alte Relikte wie das Recht auf ein rechtsstaatliches Verfahren offenbar nicht mehr verwendet. Am 25. September wurde Loïc nicht zu seinem eigenen Prozess gebracht. Loïcs Verhandlung zu einem früheren Fall im Bereich des Cyberaktivismus fand in Paris statt. Die Gefängnisleitung in Nancy schlug zunächst vor, dass er per Webcam teilnehmen solle, was er ablehnte. Er verlangt die Teilnahme an seinem Prozess, für den er eine Erklärung vorbereitet hatte. Dann wurde ihm versprochen, alles Notwendige zu tun, um seine Reise zu organisieren, aber es wurde nichts getan. Eingeschlossen in Nancy verbrachte er den Tag des 25. September. Das Verfahren wurde daraufhin wegen der Abwesenheit des Angeklagten auf den 4. Dezember verschoben. Im Angesicht der  Verhinderung in Frankreich ein rechtsstaatliches Verfahren zu bekommen, wird Loïc nun statt dessen mit der deutschen Justiz konfrontiert.

Loic Schneider
UHA Hamburg (Untersuchungshaftanstalt)
Holstenglacis 3
20355 Hamburg
Deutschland

– Thomas Meyer-Falk

„am 15. mai 1971 geboren, sitze ich seit der festnahme 1996 in haft, erst in isohaft in stuttgart stammheim bis frühling 1998, dann etwas „gelockert“ im bayrischen straubing, seit herbst 1998 in isohaft in bruchsal. verurteilt wurde ich 1997 wegen eines bankraubs mit geiselnahme, anlässlich dessen geld für legale und illegale linke politische projekte organisiert werden sollte. ich bin ein so genannter red-skin / rash = red & anarchist skinhead und da ich mich mitunter deutlich ausdrücke, erfolgten 2000 und 2004 weitere verurteilungen wegen nötigung, beleidigungen, bedrohungen – wie die juristen es nennen – „zum nachteil“ von vollzugsjuristen, richtern, staatsanwälten, sowie ein paar politikern (u.a. bundeskanzler schröder, bayrischer innenminister beckstein, hessischer ministerpräsident koch). insgesamt stehen 16 jahre 9 monate und drei wochen freiheitsstrafe an (ende 2013) und danach sicherungsverwahrung, d.h. eine entlassung ist unabsehbar.

ein wort zu der geiselnahme an dieser stelle: auch wenn es schlussendlich darum geht für eine bessere, eine freiere welt einzutreten, letztlich also eine gesellschaftsform die ohne gewalt auskommt, sehe ich keinen anlass das was ich getan habe zu bereuen, so schockierend das erlebnis für die geiseln in der bank auch war (physisch wurden sie nicht verletzt, aber die bedrohung mit schusswaffen über einige stunden hinweg, war unzweifelhaft ein psychischer schock). es ist nicht leicht die richtigen worte zu finden (zumal alles was ich schreibe erst über die zensur der gefängnisleitung geht); es geht weder um die marginalisierung der seelischen verletzungen der geiseln, noch um eine heroisierung dessen was ich getan habe. das ich nicht „bereue“ warf mir schon 1997 das gericht vor, das mich verurteilte … am ende bleibt vielleicht nur – schweigen!?

zu meiner aktuellen Situation (Stand: August 2013): nachdem ich im Mai 2007 aus der Isohaft in den Normalvollzug verlegt wurde, lehnten die Gerichte eine Entlassung nach 2/3 ebenso ab, wie nach Vollverbüßung im Juli 2013. Seit dem 08. Juli 2013 befinde ich mich deshalb in der JVA Freiburg in Sicherungsverwahrung.Das Landgericht Karlsruhe war Ende Juni 2013 zu der überzeugung gelangt, ich sei nach wie vor “gefährlich” für die Allgemeinheit, insbesondere, weil ich weder eine Therapie absolviert, noch mich in den Knast-Arbeitsprozess integriert hätte. Vielmehr hätte ich ein Leben in sozialer Isolierung geführt und auch die vielfältigen Brief- und Besuchskontakte seien unbeachtlich, da diese “nur” im Knastkontext bestünden und insoweit keinerlei prognostischen Wert hätten. Ziemlicher Nonsens, aber so agiert die Justiz nunmal.“

Mehr Informationen
https://freedomforthomas.wordpress.com/

Thomas Meyer-Falk
c/o JVA Freiburg
Hermann-Herder-Str. 8
79104 Freiburg
Deutschland

– Hülya A.

„Ich bin 28 Jahre. Ich sitze einmal wegen schwerer Körperverletzung wegen einer Racheaktion an der
Person, die für den Tod meiner besten Freundin verantwortlich ist. Und wegen Raubüberfall, ohne das
jemand dabei jemals zu Schaden gekommen ist.
Habe insgesamt 6 Jahre und 6 Monate bekommen.
Ich bin Anarchistin geworden.“

Hülya A.
Buchungsnummer 84/17/4
JVA Willich II
Gartenstrasse 2
47877 Willich
Deutschland