[Chile] Anarchistische Perspektive gegen die Pandemie des Coronavirus

An einem besonders chaotischen Freitagnachmittag leitet Piñera (A.d.Ü., Präsident von Chile) die landesweite Medien auf die Pandemie ein. Seit Anfang März ist die Angst vor dem Virus langsam ins Gespräch gekommen: zwischen der aufgeregten Rückkehr in die Unterrichtsklassen, die eine Replik (wie ein Erdbeben) des Oktoberaufstandes sein will, den massiven feministischen Demonstrationen, der Radikalisierung der reaktionären Sektoren und der bevorstehenden Volksabstimmung gewinnt sie immer mehr an Bedeutung.

Die internationale Situation ist nicht weniger komplex. Im vergangenen Jahr begann eine neue Weltwelle der Revolten gegen die kapitalistische Normalität, und die viel manipulierte „Institutionalität“ scheint von allen Seiten zusammenzubrechen und lässt nicht nur Raum für aufständische Kreativität, sondern auch (und nie so leicht zu unterscheiden) für Populismen und Faschismen aller Art.

Die Wirtschaft verliert seit einiger Zeit an Fahrt, aber der Handelskrieg zwischen zwei untergehenden Mächten, der produzierte Anstieg des Ölpreises und die durch das Coronavirus verursachte Lähmung bildeten den perfekten Sturm, um die Börse und ihr Gewirr spekulativer Fiktionen im freien Fall zu verlassen.

In diesem Zusammenhang kommt die Krankheit in unser Gebiet, wobei der Ausnahmezustand noch frisch in unserer Erinnerung ist. Es beginnt in den reicheren Viertel, und wir freuen uns fast, bevor wir uns daran erinnern, dass sie nicht die ersten sein werden, die unter den Folgen leiden werden. Die Regierung kündigt, immer zu spät, ihre Maßnahmen an. Sie reichen eindeutig nicht aus, und ihr einziges Ziel ist es, den freien Kapitalverkehr zu gewährleisten. Einige (die gleichen, die an jeder Ecke Inszinierungen sehen) flüstern, dass es eine Strategie sei, das scheinbar so gefährliche Plebiszit abzusagen. Aber wir sind uns darüber im Klaren, dass inteligente Faschisten die Wahlen befürworten und dass die Inkompetenz der Regierung nicht mehr als ihre eigenen Klasseninteressen gerechtfertigt werden muss. Weiterlesen

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Aktualisierung über Gabriel Pombo da Silva (27.03.2020)

Wir erinnern daran das unser anarchistische Gefährte Gabriel in Portugal am 25. Januar, nach eineinhalb Jahren Klandestinitä, festgenommen wurde.

Während seiner Inhaftierung in den Zellen der Bullen in Porto, hat die Verteidigung sich daran gemacht, damit er sofort entlassen wird, so wie es das Recht es „vorsieht“. Aber wie wir wissen ist das Recht umgekehrt proportional zu der Macht und Portugal hat es bewiesen sie unter der Macht des spanischen Staates stehen, welcher unseren Gefährten fertig machen will.

Sie haben es nicht mit 32 Jahren schwedischer Gardinen, Isolation, Folter und Schikane aller Arten geschafft. Wie können sie jetzt denken das sie es jetzt schaffen werden?

Mercedes Alcázar Navarro (Richterin des Gerichtes Nummer 2 in Girona), egal auf welcher Weise, versucht es sich hartnäckig. Dank der engen und unterwürfigen Zusammenarbeit ihrer portugiesischen Kollegen, hat sie es geschafft den Obersten Gerichtshof von Lisabon davon zu überzeugen, ihr Recht zu geben.

Heute am 27. März haben wir erfahren dass der eben genannte Gericht sich für die Auslieferung von Gabriel in den spanischen Staat ausgesprochen hat. Die Bestätigung dass dieser Urteil Früchte getragen hat, liegt auf der Zusammenarbeit von zwei Ländern die nur drei Tage gebraucht hat ( die Berufung welches von der Verteidigung am 5. März präsentiert wurde, kam am nächsten Tag an, die Richter bearbeitet diese am 23. März und legten den Urteil am 26. März fest!!!) Weiterlesen

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[Chile] Meuterei und Fluchtversuch im Gefängnis/Unternehmen Santiago 1

Vom 22. März 2020

Auszug aus der Publicación Refractario. Vergessen wir nicht, dass Chile obendrein in seinen Gefängnissen Hunderte von politischen Gefangenen hat, die mit den Aufständen der letzten Monate auf chilenischem Gebiet in Verbindung stehen.

Die Ausbreitung der Covid-19-Pandemie in den Gefängnissen hat eine kritische Situation hervorgerufen, die zu der Überfüllung und den brutalen Haftbedingungen in den Vernichtungszentren des chilenischen Staates beiträgt.

In den Gefängnissen des Staates wurden die Maßnahmen darin bestehen, Besuche zunehmend einzuschränken, die Einreise bestimmter Personen zu verbieten und natürlich die Gefangenen ihrem Schicksal zu überlassen. Es gibt keine medizinischen Kontrollen, keine Hygiene- oder Sicherheitsmaßnahmen, einschließlich in Santiago 1 wurde ein für den Gesundheitsbereich zuständiger Gefangener wegen der Symptome von Covid-19 in Quarantäne gesetzt, weil seine Polizistenfrau Kontakt zu einem Infizierten hatte.
Die Situation explodierte am Donnerstag, dem 19. März, mit einem gewaltigen Aufstand um die Flucht der Gefangenen aus dem Gefängnis Santiago 1, insbesondere aus Modul 31, wobei sie die Kontrolle über den Sektor übernahmen, die Wache in Brand setzten und die Tore öffneten, um den Korridor zu betreten, in dem sie der Gendarmerie gegenüberstanden. Weiterlesen

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Ein fiktiver Krieg

Ein fiktiver Krieg

Während der Entwicklung der Krise aufgrund des Covid-19 konnten wir zahlreichen Interventionen von Regierungsvertretern beiwohnen, wobei wir auf die Erzählung zurückgreifen, dass wir uns in einem Krieg befinden.

Die Notwendigkeit, dass der Staat eine solche kriegstreiberische Semantik verkündet, ist leicht zu verstehen, insbesondere in dem „sicheren“, zivilisierten und friedlichen Europa, in dem wir gelehrt wurden, zu glauben – und zu verehren – und in dem wir (viele von uns) aufgebaut wurden, dem Europa, das seine Kriege an Subunternehmer vergibt, um sie in anderen Gebieten zu führen, Sie verbirgt nicht nur alles, was ihre Verwüstung auslösen kann, sondern verlagert auch den größten Teil ihrer Rohstoffindustrien, baut Internierungszentren und Schlachthöfe so weit weg von der Bevölkerung wie möglich und schickt ihre Abfälle in die so genannte „Dritte Welt“, während sie die Böden der Touristenvitrine poliert, in die sie ihre Städte verwandelt hat.

In unseren Baumwollkäfigen könnte kein Krieg ausbrechen, aber der Staat ist auf den Krieg angewiesen, um zu überleben.

Deshalb wird der Staat jede Gelegenheit nutzen, um dieses Szenario, das ohne die Massaker an der Zivilisation und am Kapitalismus ganz anders aussehen oder vielleicht nie stattgefunden hätte, wieder herzustellen, indem er es für die Wiedereinführung der Angst vor dem Krieg, in diesem Fall dem Krieg gegen das Virus, nutzt. Weiterlesen

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[Spanischer Staat und International] Chronik der Aufstände, Ausbrüche und Ereignisse in den Gefängnissen und im CIES aufgrund der Coronavirus-Krise

CHRONIK VON AUFSTÄNDE, GEFÄNGNISAUSBRÜCHEN UND VORFÄLLEN AUFGRUND DER CORONAVIRUS-KRISE

Der Alarmzustand, in dem wir uns aufgrund der sozialen Panik und der durch die COVID-19-Pandemie ausgelösten Gesundheitskrise befinden, hat in verschiedenen Teilen der Welt Eindämmungsmaßnahmen mit sich gebracht, die immer weiter verbreitet werden. Diese Maßnahmen werden in vielen Gefängnissen durch die Aussetzung von Familienbesuchen umgesetzt, die das Einzige ist, was die Gefangenen mit der Außenwelt und ihren Menschen verbindet. Die Erlaubnisse für Freigänge unter der Wochen in mehreren Zentren, Besuche und Vis a Vis mit Anwälten wurden ebenfalls ausgesetzt. Gleichzeitig werden die Telefontarife erhöht und die Anrufe über die NIS personalisiert, um die Weiterleitung von Anrufen zwischen den Gefangene zu vermeiden. Diese soziale Isolierung zeigt sich, wenn die Schließer („Gefängnisbeamte“) täglich zwischen den Gefängnissen hin- und hergehen und keine Schutz- und Vorbeugungsmaßnahmen gegen die Pandemie haben. Aufgrund dieser restriktiven Bedingungen sind in verschiedenen Gefängnissen auf der ganzen Welt Versuche zur Rebellion aufgetreten, und hier ist eine Liste derer, die wir sammeln konnten.

Spanischer Staat

– Brians I [Barcelona]: Mehr als 100 Gefangene im Hungerstreik aufgrund von Isolationsmassnahmen, mangelnder Information und Inkonsequenz.

– Wad Ras [Barcelona]: Am Dienstag, 17. März rufen die Gefangenen zu einem Hungerstreik auf, gegen den Verbot von Familienbesuche.

– Fontcalent [Alicante]: Die Gefangenen protestierten am Sonntag, den 15. März, mit einem Lagerfeuer im Innenhof wegen mangelnder Information und mangelndem Schutz vor dem Coronavirus.

– Tahiche [Lanzarote]: Am Sonntag, dem 15. März, umzingelten mehrere Gefangene aus dem Trakt Nummer 3 die Gefängniswärter, tadelten sie und bedrohten sie. Fünf Häftlinge wurden schließlich in das Isolationstrakt verlegt. Die Spannung wurde durch die Aussetzung der Familienbesuche verursacht, während die Beamten keine Handschuhe oder Masken trugen.

– Sangonera [Murcia]: Am Sonntag, dem 15. März, hielten die Gefangenen ein Sit-in ab, um gegen die Einschränkungen und die medizinische Vernachlässigung zu protestieren.

– Picassent [Valencia]: Am Dienstag, dem 17. März, bewaffneten sich die Gefangenen der Einheit 2 mit Stöcken und begannen, auf die Möbel zu schlagen und die Gefängniswärter anzuschreien. Der Grund dafür sind wiederum die Isolationsmassnahmen.

– Alcalá de Henares [Madrid]: Am Samstag, dem 14. März, schlägt ein Häftling einen Gefangenen ins Gesicht und verursacht einen Bluterguss.

– CIE de Aluche [Madrid]: Am Dienstag, 17. März, stiegen mehrere Häftlinge auf das Dach und forderten Freiheit und Schutz vor dem Coronavirus. Weiterlesen

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Update zur Situation in der JVA Köln-Ossendorf VI

Gestern konnte Hülya am frühen Nachmittag anrufen, um mitzuteilen, dass sie entlassen wird. Das machte Sinn, denn durch die Pandemie brauchen die Knäste mehr Platz und es werden Gefangene mit Reststrafe unter 18 Monaten teilweise in eine Haftunterbrechung geschickt. Hülyas Endstrafe ist Ende April, also etwas mehr als ein Monat. Ihr wurde schon letzte Woche angekündigt, dass sie in Kürze (wir hatten mit Dienstag/Mittwoch dieser Woche gerechnet) in die Haftunterbrechung entlassen wird. Es ist schon Wahnsinn genug, dass eine Gefangenen nach über 6 Jahren Haftzeit die letzten 30 Tage in einer Situation wie jetzt nicht entassen wird….aber das war nicht genug. Als schon eine halbe Stunde nach ihrem Anruf Leute vor der JVA gewartet haben, um sie abzuholen, tat sich erstmal gar nichts.

Kurze Zeit später konnte Hülya dann nochmal ca. eine Minute anrufen, um zu sagen, dass sie doch nicht entlassen wird!

Das sei ein Fehler der VZ (Vollzugsstelle) gewesen und sie müsse bis zum 30.4. (sic!) drin bleiben. Das ist quasi bis zum letzten Tag! Und immer noch im geschlossenen Vollzug!
Nun, wir können darüber spekulieren, inwieweit Staatsanwältin Breuer da ihre Finger im Spiel hat oder inwieweit die Kölner Knastleitung Angela Wotzlaw in diesem Fall Hülya für ihren Protest bestrafen will, aber Fakt bleibt, dass einer eigentlich im offenen Vollzug voll gelockerten Gefangenen, nachdem sie gegen die Verhältnisse im offenen Vollzug protestiert hat und einen symbolischen Hungerstreik begonnen hat, nun rachsüchtig alles verwehrt wird, was zurzeit passieren sollte. Darüber hinaus konnten sie sich die Quälerei, einer Gefangenen zu sagen, du wirst jetzt entlassen, um dann eine Stunde später zu sagen, ach doch nicht…auch nicht verkneifen.

Wir beobachten die Situation sehr sorgfältig und nein, das hat mit dem sogenannten Strafvollzug nichts mehr zu tun. Da werden Kompetenzen ausgereizt, um eine Gefangene zu brechen, um ihr zu zeigen, wer am längeren Hebel sitzt. Inklusive der Genugtuung, sie ein wenig quälen zu können. Welchen Sinn macht es, Hülya jetzt noch einen Monat im geschlossenen Vollzug schmoren zu lassen, wenn die JVA doch jeden möglichen Platz für die aktuelle Situation braucht? Das riecht schwer nach rachsüchtiger Willkür… Wir sind gespannt, was kommende Woche passiert!

Für die Freiheit der Gefangenen!

Hülya freut sich über Post, schreibt ihr:

Buchnummer 83209
JVA Köln
Rochusstrasse 350
50827 Köln

 

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Notizen des Seucheninstinkts [Note epide(r)miche]

Gefunden auf Ausnahmezustand 2020, geschrieben von Finimondo

Quelle

Sein Name ist mir letzte Woche buchstäblich in den Sinn gekommen. Ich war unterwegs, um Brot zu holen, und als ich in der Bäckerei ankam, zählte ich instinktiv diejenigen der Kunden, die dort ein- und ausgingen, die die Maske trugen. Dort ist mir das passiert. Mir wurde plötzlich klar, dass ich gerade die Zählung des deutschen Philologen Victor Klemperer, eines Zeugen und Gelehrten des Aufstiegs des Dritten Reichs, wiederholt hatte: “Unsere Moral ändert sich von Tag zu Tag. Wir zählen, wie viele Menschen in den Geschäften “Heil Hitler!” und wie viele “Guten Morgen” sagen. Gestern sagten in der Bäckerei fünf Frauen “Guten Morgen” und nur zwei “Heil Hitler”: Die Moral steigt. Heute, in der Metzgerei, sagten alle: “Heil Hitler”… die Moral geht unter.” Ich gebe zu, dass ich genau in diesem Moment ein Frösteln im Nacken verspürte.
Die erneute Lektüre seines Tagebuchs half mir nicht, meine Unruhe zu überwinden, ganz im Gegenteil. Ich hab das starke Bedürfnis, all die blutrünstigen Unterschiede hervorzuheben, die uns von diesen Jahren trennen, die Ähnlichkeiten sind jedoch immer noch augenscheinlich. Erschreckend, wenn auch fast ohne Blutflecken. Schon damals war die Bevölkerung davon überzeugt, dass sie von einem gefährlichen Virus, “dem Juden”, bedroht war, der sie infizieren könnte. Und in kurzer Zeit wurde ein ganzes Land, das für seinen enormen Beitrag zur Philosophie bekannt ist, von einer Art Massenwahn überwältigt. Die lächerlichsten Überzeugungen verbreiteten sich wie ein Lauffeuer und drängten gewöhnliche Männer zu den anomalsten Taten. Und dann das bewusste Ansprechen von Gefühlen, um jede kritische Reflexion abzuwehren, die hämmernde Kriegsrhetorik, die Obsession der Technik, um Homogenität zu erreichen…
Ja, inmitten jener Lektüre habe ich verstanden, dass das tödliche Virus, das heute ausgerottet werden muss, gar nicht Covid-19 ist. Wir sind es. Wir, die wir, wie die Juden, das Haus nicht mehr verlassen können. Wir, die wir nicht mehr in Bibliotheken, Kinos, Restaurants, Parks gehen können… Wir, die wir die Schwelle nur so lange überschreiten dürfen, wie es nötig ist, um die Grundbedürfnisse zu befriedigen. Wir, die wir gezwungen sind, unsere Anwesenheit dem ersten Uniformierten, die uns auf der Straße über den Weg läuft, zu rechtfertigen. Wir, die wir uns mit dem gleichen Refrain von damals trösten (“Der totale Wahnsinn kann nicht auf Dauer anhalten, wenn der allgemeine Rauschzustand verschwunden ist und nur noch große Kopfschmerzen hinterlassen haben wird”). Wir, die wir die Sprache des Feindes sprechen. Wir, unter jenen es nicht an denen mangelt, die die Autorität bewundern. Wir, die wir jeden Tag an unsere elektronischen Geräte angeschlossen um auf die frohe Nachricht vom Ende des Albtraums zu warten.
Aber es wird niemals enden, ja sogar noch schlimmer werden, wenn wir ihm nicht selbst ein Ende setzen. Wie der Autor von der Pest sagte: “Hoffnung ist entgegen der landläufigen Meinung gleichbedeutend mit Resignation. Und zu leben bedeutet nicht, zu resignieren”.

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Soziale Ansteckung Mikrobiologischer Klassenkampf in China

Wir haben diesen Text von Ende Februar vom Blog der Zeitschrift Chuang schnell übersetzt und online gestellt, um der ganzen Panik etwas Fundierteres entgegenzusetzen. Ein erster Kritikpunkt wäre, dass die Autoren die Industrialisierung als eine einzige Apokalypse beschreiben. Eine gute Grundlage für weitere Diskussionen ist der Text allemal!
Im englischen Original sind an vielen Stellen Links eingefügt, um Aussagen zu belegen. Wir haben sie nicht übernommen, ihr findet sie im Originaltext.

Der Hochofen

Umgangssprachlich gilt Wuhan als einer der »vier Hochöfen« Chinas. Den bedrückend feuchtheißen Sommer teilt es mit Chongqing, Nanjing und Nanchang (andere zählen Changsha auf), quirlige Städte mit einer langen Geschichte, am Yangtse gelegen oder nah an seinem Flusstal. Unter den Vieren glänzt Wuhan aber mit echten Hochöfen. Der massige urbane Komplex bildet so etwas wie einen Kern der Stahl-, Beton- und bauorientierten Industrie Chinas, sein Stadtbild gesprenkelt mit den langsamkühlenden Gebläsehochöfen der verbleibenden Stahl- und Eisenschmelzen im Staatseigentum, die geplagt von Überproduktion in eine weitere umstrittene Phase von Rückbau, Privatisierung und Umstrukturierung gezwungen werden – dies allein schon Ursache für mehrere große Streiks und Proteste in den letzten fünf Jahren. Auf den Punkt gebracht ist Wuhan die Hauptstadt der chinesischen Bauindustrie. Als solche hatte die Stadt eine besonders hervorgehobene Rolle in der Phase nach der (letzten) ökonomischen Krise, denn in dieser Zeit wurde das Wachstum durch Immobilien- und Infrastruktur-Projekte aufgebläht. Die Blase hat Wuhan nicht nur mithilfe seines Überangebots an Baumaterialien und Ingenieuren im Staatsdienst vergrößert, sondern wurde selbst zu einem Produkt des Immobilienbooms. Nach unseren Berechnungen hatten in den Jahren 2018-2019 die Baugrundstücke in Wuhan nach ihrem Umfang die Gesamtfläche der Insel Hongkong.

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Update zur Situation in der JVA Köln-Ossendorf V

Hülya konnte heute für zwei Minuten anrufen. Leider war das nicht genug Zeit, um ausführlicher darüber zu reden, was passiert ist und wie es ihr geht.
Was wir jetzt wissen ist, dass es ihr den Umständen entsprechend gut geht und sie den Hungerstreik abgebrochen hat.
Der Anwalt kam noch nicht zu ihr durch und Post konnte sie auch noch nicht rausschicken.
Es gab kurz das Gerücht, dass vielleicht alle Gefangenen im offenen Vollzug, die nicht arbeiten, in den geschlossenen Vollzug zwangsverlegt wurden, aber das scheint nicht so zu sein. Hülya wurde als einzige wieder eingesperrt, weil sie berechtigterweise gegen die Knast-Praxis bezüglich der Pandemie im offenen Vollzug protestiert hat. Das zeigt einerseits eigentlich nur, wie nervös die Verantwortlichen in Ossendorf diesbezüglich sind und andererseits, dass wenn sich berechtigter Protest entwickelt, sofort repressiv geantwortet wird.
Besuche sind mittlerweile nicht mehr direkt, sondern über Skype möglich. Wir sind gespannt, inwieweit das funktioniert, abgesehen davon, dass das natürlich auch die totale Kontrolle ermöglicht, sofern Angehörige und Freund*innen überhaupt dazu in der Lage sind, Skype zu benutzen.

Für die Freiheit der Gefangenen!

Hülya freut sich über Post, schreibt ihr:

Achtung, neue Buchnummer!: 83209

JVA Köln
Rochusstrasse 350
50827 Köln

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Modena – Einige Aktualisierungen zur Revolte und Repression

Gefunden auf Ausnahmezustand 2020:

Seit dem Inkrafttreten der Notverordnung zur Eindämmung der Ansteckung mit dem Virus hat die Wut in den Gefängnissen nicht lange auf sich warten lassen.
Tatsächlich wurde das Besuchsverbot, das in einigen Gefängissen bereits in Kraft war, auf alle Gefängnisse ausgedehnt.

Es würde sehr lange dauern, alle 27 Gefängnisse aufzulisten, in denen Unruhen ausbrachen. Revolten, die zu mehr oder weniger vorübergehenden Umwälzungen der Gefängnisrealität geführt haben (die auf nichts anderes als die Vernichtung und Entpersönlichung des Individuums abzielt): Gefängnisse und Einrichtungen für die Wärter in Flammen, besetzte Strukturen, Gefangene auf den Dächern, Umkehrung der Wärter – Gefangenen Rollen mit der Geißelnahme ersterer, verbrannte Dokumente, versuchte und erfolgreiche Fluchten. Aus dem Sant’Anna-Gefängnis in Modena stiegen am 8. März 2020 dichte Rauchsäulen auf, die bald für alle sichtbar waren und die Freunde, Angehörige und Sympathisanten zu den Häftlingen kommen liessen, welche das Hin und Her aller Arten von Polizeikräften beobachteten, die zur Niederschlagung des Aufstands eingesetzt wurden: Staatspolizei, Carabinieri, Strafvollzugspolizei, GOM; sowie ein Hubschrauber, um in der Gegend zu patrouillieren, und die Stadtpolizei [polizia municipale], die versuchte, die hinstürmenden Personen wegzuschicken, ohne Erfolg (die widerlichste Aufgabe derjeniger die ihr Leben damit verbringen, nach dem Haar in der Suppe zu suchen). Von außen waren deutlich Schüsse zu hören. Von innen heraus schrien einige Typen: “Wir werden abgeschlachtet”. Nach dem offiziellen Bericht hätten die Insassen und die Häftlinge die Kontrolle über die Struktur übernommen, die sie dann verwüsten hätten; manche versuchten zu fliehen, aber dies Versuche wurden sofort verhindert. Weiterlesen

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